Welche IGeL passen zu meiner Praxis?
|
 |
Ein seriöses Selbstzahlerkonzept hat durch die Erweiterung des Leistungsspektrums die optimale medizinische Versorgung der Patienten zum Ziel. Doch die richtige Auswahl der zu integrierenden IGeL-Leistung bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn nur mit einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz kann der Arzt eine bestmögliche medizinische Qualität erbringen und sich voll auf die Bedürfnisse seiner Patienten konzentrieren.
1. Meine persönliche Einstellung: Gerade bei Selbstzahlerleistungen müssen Sie von deren Nutzen ehrlich überzeugt sein und sich zum Experten Ihrer angebotenen Leistungen entwickeln. Daher wird sich die Wahl der angebotenen Leistungen am ehesten an Ihren Interessen und Fähigkeiten orientieren. Nur mit Authentizität lassen sich mittel- und langfristig verheerende Vertrauensschäden bei Ihren Patienten verhindern. Hilfreich bei der Entscheidungsfindung ist es sich zu fragen: „Würde ich die betreffende Leistung auch für mich selber oder meine Familienangehörigen in Anspruch nehmen?“ Nur, wenn Sie diese Frage uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten, sollten Sie die Einführung dieser Leistung in das Angebot Ihrer Praxis in Erwägung ziehen. Eine Analyse der eigenen Qualifikation - und genauso wichtig - die Qualifikation der Helferinnen sind ein weiteres Kriterium bei der Auswahl der Leistung. Sind bereits die nötigen Qualifikationen vorhanden, lässt sich die Leistung schneller und kostengünstiger integrieren.
2. Festlegung meiner Zielgruppe: Für welche Patientengruppe bzw. welche Krankheitsbilder wollen Sie das erweiterte Leistungsangebot bereitstellen? Verschaffen Sie sich dazu einen Überblick über die Patientenstruktur Ihrer Praxis (Alter, Geschlecht, Beruf etc.). Möchten Sie eine neue Zielgruppe ansprechen, die bisher nicht ausreichend in Ihrem Patientenstamm repräsentiert ist, sollten Sie eine genaue Analyse Ihres Praxis-Umfeldes vornehmen. Dabei sind demoskopische Daten Ihres Einzugsgebietes genauso zu berücksichtigen, wie die Gegebenheiten in Ihrer Praxis (Praxisteam, Ausstattung etc.). Ebenso sollten Sie sich ein Bild über Ihre Mitbewerber und deren angebotene Leistungen machen; einerseits um eventuell bestehende Lücken im Angebotsspektrum zu schließen, andererseits um eine Überrepräsentanz einzelner Leistungen zu vermeiden. Vergessen Sie dabei nicht Mitbewerber aus anderen Berufsgruppen wie beispielsweise Heilpraktiker, Krankengymnasten, Kosmetik- oder Fitness-Studios!
3. Auswahl der IGeL-Leistungen: Wenn Sie Ihre Zielgruppe festgelegt haben, besteht die nächste Aufgabe darin, diejenigen Leistungen herauszufiltern, die Sie für medizinisch sinnvoll erachten und die gleichzeitig einen spezifischen Nutzen für die von Ihnen ausgewählte Zielgruppe besitzen. So passen beispielsweise Vorsorgeleistungen gut zu Berufstätigen oder Selbständigen, für die ein krankheitsbedingter Ausfall einen erheblichen finanziellen Schaden bedeuten würde. Behandlungen zur Sicherung und Steigerung der Lebensqualität (Wellness, Anti-Aging) passen möglicherweise gut auf die Zielgruppe „ältere Patienten“. Erst wenn Sie diese Schritte getan und ein medizinisch sinnvolles und auf Ihre Zielgruppe passendes Leistungspaket zusammengestellt haben,sollten Sie die Rentabilität und Praxisverträglichkeit der ausgewählten IGeL-Leistungen prüfen.
4. Praxisverträglichkeit und Rentabilität: Nicht jede IGeL-Leistung hat das Potenzial, für die Praxis ein wirtschaftliches Standbein zu werden. Dennoch kann die Entscheidung für eine nicht rentable Leistung sinnvoll sein, wenn sie eine passende Ergänzung des bestehenden Leistungsspektrums darstellt. Doch sollte jedem Arzt, der sich überlegt, IGeL-Leistungen in seiner Praxis zu etablieren, klar sein: Es ist zwingend notwendig, über die Rentabilität der einzelnen Leistungen informiert zu sein. Nur so können Sie Ihre Finanzplanung entsprechend ausrichten.
In einer Rentabilitätsanalyse sollten Sie folgende Positionen für jede IGeL-Leistung prüfen:
- Einnahmen gemäß GOÄ
- Anschaffungs- und Wartungskosten für Geräte
- Aufwendungen für Schulungen
- Material- und Stromkosten
- Raum- und Personalkosten.
Zur Abschätzung des zeitlichen und organisatorischen Aufwands einer Leistung, ist es ratsam, in einem zweiten Schritt die individuelle Praxis-Verträglichkeit für jede IGeL-Leistung zu bestimmen. Nur so erhalten Sie die Antworten auf folgende Fragen:
- Ist die Leistung mit dem vorhandenen Personal realisierbar?
- Kann die Leistung in den vorhandenen Räumen durchgeführt werden?
- Ist eine Schulung notwendig?
- Ist die Leistung bei den Patienten allgemein bekannt oder erklärungsbedürftig?
- Ergänzt die Leistung eine GKV-Leistung?
- Wie hoch sind die Kosten für die Patienten?
Lassen Sie sich im Zweifelsfall fundiert beraten!

|